Energie & SparenTarife
Stromtarif wechseln: Worauf Verbraucher beim Vergleich achten sollten
Ein Tarifwechsel kann die Stromrechnung senken, aber nur, wenn du die Bedingungen richtig liest. Welche Punkte beim Vergleich zählen und wo versteckte Kosten lauern.

Strom ist überall gleich, der Preis dafür nicht. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Tarif am selben Wohnort können erhebliche Unterschiede liegen, vor allem wenn der aktuelle Vertrag schon länger läuft oder nie aktiv gewählt wurde. Ein Wechsel ist technisch unkompliziert, die Kunst liegt im Vergleich. Dieser Ratgeber erklärt, welche Angaben in einem Stromtarif wirklich zählen und welche Angebote man besser liegen lässt.
Grundversorgung und Sondervertrag
Wer nie einen Stromvertrag abgeschlossen hat, etwa nach einem Einzug, wird automatisch vom örtlichen Grundversorger beliefert. Die Grundversorgung ist verlässlich und jederzeit mit kurzer Frist kündbar, aber häufig teurer als vergleichbare Sonderverträge. Ein Blick auf die Rechnung zeigt, ob du in der Grundversorgung bist: Dort steht dann meist „Grundversorgung“ oder „Allgemeiner Tarif“.
Sonderverträge sind alle Tarife, die aktiv abgeschlossen werden, beim örtlichen Versorger oder bei einem anderen Anbieter. Sie haben oft günstigere Preise, dafür aber Laufzeiten und Kündigungsfristen.
Die Bestandteile eines Stromtarifs
Ein Stromtarif besteht im Kern aus zwei Preisen:
- Grundpreis: ein fester Betrag pro Monat oder Jahr, unabhängig vom Verbrauch
- Arbeitspreis: der Preis pro verbrauchter Kilowattstunde
Welcher Anteil wichtiger ist, hängt vom Verbrauch ab. Bei einem kleinen Haushalt mit niedrigem Verbrauch fällt ein hoher Grundpreis stärker ins Gewicht. Bei einer Familie mit hohem Verbrauch entscheidet vor allem der Arbeitspreis. Deshalb sollte ein Vergleich immer mit dem eigenen Jahresverbrauch gerechnet werden, den du auf der letzten Jahresabrechnung findest.
Dazu kommen Angaben, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, aber über den tatsächlichen Preis entscheiden:
Vertragslaufzeit. Üblich sind 12 oder 24 Monate, manche Tarife sind monatlich kündbar. Kürzere Laufzeiten geben Flexibilität, längere manchmal etwas bessere Preise.
Preisgarantie. Sie legt fest, wie lange der Preis unverändert bleibt. Wichtig ist der Umfang: Eine eingeschränkte Preisgarantie deckt oft nur den Energieanteil ab, während Steuern, Abgaben und Netzentgelte weitergegeben werden dürfen. Eine vollständige Preisgarantie ist selten, aber verlässlicher.
Kündigungsfrist. Sie bestimmt, wie lange vor Vertragsende gekündigt werden muss. Wer die Frist verpasst, verlängert den Vertrag automatisch, in Deutschland seit 2022 allerdings nur noch mit einer Kündigungsfrist von einem Monat nach der Erstlaufzeit.
Boni. Neukundenboni und Sofortboni senken den Preis im ersten Jahr, oft deutlich. Entscheidend ist, was der Tarif ab dem zweiten Jahr kostet, weil der Bonus dann wegfällt.
Typische Fallen beim Vergleich
Vergleichsportale sortieren standardmäßig nach dem Preis für das erste Jahr, meist inklusive aller Boni. Das lässt Tarife günstig aussehen, die ab dem zweiten Jahr deutlich teurer sind. Ein paar Punkte, auf die du beim Vergleich achten solltest:
- Ohne Bonus rechnen. Die meisten Portale bieten einen Filter, der Boni ausblendet oder nur Tarife mit einer bestimmten Preisgarantie anzeigt. So werden Tarife vergleichbar.
- Vorkasse und Kaution meiden. Tarife mit Vorauszahlung sind zwar günstiger, bei einer Insolvenz des Anbieters ist das Geld aber gefährdet.
- Pakettarife prüfen. Bei Paketen wird eine feste Strommenge bezahlt. Wer weniger verbraucht, zahlt trotzdem den vollen Preis, wer mehr verbraucht, zahlt für den Mehrverbrauch oft überdurchschnittlich viel.
- Abschlagshöhe kontrollieren. Ein niedriger monatlicher Abschlag heißt nicht, dass der Tarif günstig ist. Am Ende zählt die Jahresabrechnung.
- Anbieter kurz recherchieren. Bewertungen und Erfahrungen zum Kundenservice sind ein sinnvoller Zusatzcheck, gerade bei unbekannten Namen.
So läuft der Wechsel ab
Der eigentliche Wechsel ist einfacher, als viele denken. Der neue Anbieter übernimmt in der Regel die Kündigung beim alten, wenn du das im Auftrag angibst. Du brauchst dafür:
- deine Zählernummer, sie steht auf der Rechnung oder direkt am Zähler
- den aktuellen Jahresverbrauch
- den Namen des bisherigen Anbieters und gegebenenfalls die Kundennummer
- das gewünschte Wechseldatum, meist das Ende der aktuellen Laufzeit
Die Stromversorgung ist während des Wechsels gesetzlich abgesichert. Es gibt keine Unterbrechung, es wird kein Zähler getauscht, und wenn etwas schiefgeht, springt der Grundversorger ein.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Wer selbst kündigen muss, weil zum Beispiel eine Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht auslöst, sollte das schriftlich tun und sich die Kündigung bestätigen lassen. Der neue Vertrag sollte nahtlos anschließen, damit nicht kurzzeitig die Grundversorgung greift.
Wann sich ein Wechsel besonders lohnt
- nach einer Preiserhöhung des aktuellen Anbieters, weil dann ein Sonderkündigungsrecht besteht
- wenn du in der Grundversorgung bist
- nach Ablauf eines Bonusjahres, wenn der Tarif deutlich teurer wird
- nach einem Umzug, weil sich die Netzentgelte und damit die Preise regional unterscheiden
- wenn sich der Verbrauch stark verändert hat, etwa durch Homeoffice oder ein neues Familienmitglied
Ein jährlicher Kurzcheck reicht in der Regel. Wer die Laufzeit und die Kündigungsfrist im Kalender notiert, verpasst den Zeitpunkt nicht. Tipps zur Verwaltung von Verträgen und Fristen gibt der Ratgeber zum Organisieren von Versicherungsunterlagen, das Prinzip ist bei Energieverträgen dasselbe.
Kurz zusammengefasst
- Grundpreis und Arbeitspreis immer mit dem eigenen Jahresverbrauch rechnen.
- Preisgarantie, Laufzeit und Kündigungsfrist sind genauso wichtig wie der Preis.
- Boni nur als Zugabe sehen, nicht als Entscheidungsgrundlage.
- Vorkasse, Kaution und Pakettarife meiden.
- Der Wechsel selbst ist unkompliziert, die Versorgung bleibt lückenlos.
Wer zusätzlich den Verbrauch senkt, spart doppelt. Welche Maßnahmen dabei wirklich etwas bringen, zeigt der Beitrag Stromverbrauch senken.


